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Max

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max
Max
Geboren im Jahr 1992
Gestorben am 11. Juni 2007

Wir haben Max am 9. Dezember 1996 um 18.00 Uhr aus dem Tierheim Lingen zu uns nach Hause geholt. Er war vorher gebadet und gekämmt worden, aber er sah trotzdem aus wie ein Fussel.

Er wollte nicht ins Auto. Eine Tierpflegerin hat ihn hinein getragen.

Autofahren war nicht sein Ding, das hat er uns gleich mitgeteilt. Er kannte das nicht. Er kannte auch keine Treppenstufen, er kannte wohl nur die 4 Wände seines Zwingers und das Gitter davor. Das war seine Welt.

Jetzt kam er in eine für ihn vollkommen fremde Umgebung mit fremden Gegenständen, fremden Leuten, fremden Lauten und er war sehr aufgeregt.

Für mich war Max gleich etwas Besonderes. Er hatte gelbe Augen, die funkelten wie Bernstein. Auf der Zunge hatte er einen Pfenniggroßen blauen Fleck. Vielleicht ein Erbstück eines Vorfahren, eines Chow-Chow oder Eurasiers.

Die erste Nacht hat Max sehr gut geschlafen und sich nicht gemuckst.



Am nächsten Morgen hat er mit uns sein erstes Läuferchen gemacht, was ihm eigentlich gut gefallen hat. Aber er kennt das nicht und zieht an der Leine wie verrückt.

Der Garten musste inspiziert und abgesteckt werden von ihm. Alles hat er sich angesehen. Vor dem Teich ist er stehen geblieben und hat sich die Plastik-Enten angeschaut, die darauf schwammen.



Nach kurzer Zeit hat er versucht, an sie heran zu kommen, ist dabei aber in den Teich gefallen und er hat dieses Vorhaben erst einmal aufgegeben. Aber er hat es nicht vergessen und die nächsten Tage immer wieder versucht, diese Enten zu erreichen. Aber er ist dabei nie wieder in den Teich gefallen. Die Enten jedoch hat er auch nicht fangen können. Weder mit Bellen noch mit Plantschen mit der Pfote hat er sie erreicht. Sie sind ihm aber fast täglich für eine lange Zeit nicht aus dem Kopf gegangen.

Der Wintergarten hat ja Glasscheiben bis auf die Erde, das ist für ihn unverständlich. Er rennt immer gegen die Glasscheiben, egal ob er von drinnen oder von draußen kommt. Er schnallt das nicht, dass es Glas ist. Das hat lange gedauert bis er es wusste, dass er da nicht durch kann. Aber es ist nie etwas passiert dabei und schließlich war für ihn dann alles normal.


Am 4. Tag ist Max das erste Mal alleine die Treppe nach oben geschlichen. Er ist wirklich geschlichen, fast auf dem Bauch und genauso wieder runter. Wir haben uns darüber sehr gefreut, zeigte es doch, dass er lernfähig ist und sich das Haus so langsam aneignet.

An diesem Abend ist er auch alleine mit nach oben gegangen zum Schlafen. Kurze Zeit später ging er aber wieder nach unten. Da lag er dann in dem kleinen Nest, was wir ihm in die Küche gestellt hatten. Wir haben uns sehr gefreut, dass er das Nest für sich angenommen hat. Nun meinte mein Mann, dass er das Nest doch auch oben hinstellen könnte, dann kann er bei uns schlafen und muss nicht alleine unten sein. Dass das ein Fehler war, hat er zu spät gemerkt. Max verstand ja nicht, was das sollte, als ihm das Nest weggenommen wurde und biss direkt zu.

Auch die nächsten Tage war er aufsässig gegen meinen Mann.

Der erste Spaziergang in die Stadt war für Max eine Zumutung. Er lief nur mit eingeklemmtem Schwanz und hatte große Angst.

Brücken sind ihm nicht geheuer gewesen. Er schlich geduckt über sie hinüber und atmete auf, wenn er drüber war.


Max und ich, wir machten immer eine Mittagspause in meinem Zimmer. Das fand er wunderbar. Das war unser Reich und er lag in der offenen Tür und passte auf. Wenn jemand die Treppe rauf kam und ins Zimmer wollte, dann knurrte er "bis hierher und nicht weiter" hieß das.

Als Max 3 Wochen bei uns war, kam unser Sohn Jochen das erste Mal nach Hause. Das war nun jemand, den er nicht kannte und den er partout nicht dulden wollte. Er gab das damit zu verstehen, dass er ihn ins Bein biss. Sein Beißen war nicht so ganz schlimm, er kniff nur kurz zu und ließ sofort wieder los. Aber eine Druckstelle ist immer geblieben und der Stoff war auch kaputt.

Die ganze Zeit, die Jochen zu Hause war, hat er ihn nicht aus den Augen gelassen. Am liebsten hätte er ihn zur Tür hinaus geworfen. Er wollte mit uns alleine hier sein, Jochen war ein Eindringling.

Sylvester und Neujahr waren für Max die schlimmsten Tage im Jahr. Die Knallerei ließ ihn zittern und sich verstecken. Er verließ nicht das Haus. Ich war froh, wenn ich ihn ganz kurz zum Pipimachen hinausführen konnte. Mit Affenzahn ist er dann wieder ins Haus gelaufen. Auch die nächsten Tage guckte er sich dann immer ängstlich um und horchte dauernd, ob alles ruhig blieb. Diese Tage blieben für ihn ein Leben lang Horrortage. Es wurde erst ein wenig besser, als er nicht mehr so gut hörte, altersbedingt.


Bevor wir morgens spazieren gehen, frühstücken wir und anschließend wird noch eben in die Zeitung geguckt. Max saß dann auf dem Hintern im Zimmer und beobachtete das. Er hat sich das eine ganze Zeit lang angesehen und es ausgehalten. Wenn es ihm aber zu lange dauerte, dann kam er an, sprang an mir hoch und haute mit der Pfote auf die Zeitung, schlug sie zusammen, dass sie auf die Erde fiel. Anschließend wurde sie dann noch mit dem Maul bearbeitet. Und dann stupste er mich wieder an. Was das hieß, das wusste ich dann ja.


Seine größte Freude auf den Spaziergängen war das Mäusesuchen. Er stand im Gras und schaute wie gebannt auf eine Stelle und machte dann einen "Fuchssprung" dahin, wo er die Maus vermutete. Das sah lustig aus. Es war ein Spiel für ihn, das er aber auch ernst meinte. Eines Tages hatte er dann auch tatsächlich eine Maus ausgebuddelt und versuchte mit der Pfote und der Schnauze die Maus zu erwischen, die verzweifelt piepste. Da war ich dann Spielverderber, habe Max gerufen und inzwischen war die Maus entkommen.


In der Tierarztpraxis hat er sich auch als großer Boss aufgespielt. Er musste geimpft werden und bevor ich ihn packen und auf den Behandlungstisch stellen konnte, hat er schon ans Bein des Tisches gepinkelt.

Max war ein sehr dominanter Hund und das zeigte er laufend. Er mochte keine fremden Leute, egal wer es war, er versuchte alle zu vertreiben durch Bisse. Es war sehr nervig, auf ihn aufzupassen. Darum versuchten wir auf dem Hundeplatz mit ihm Sozialverhalten zu üben. Dort hat er es sich gleich mit dem Trainer verdorben, der ihm sagte, dass er nicht knurren sollte. Aber auf strenge Worte hörte Max sowieso nicht. Ich wusste das, aber der Trainer meinte, dass der Hund das lernen müsste. Wir sollten ihn grober anfassen und konsequent mit ihm üben.

Haben wir versucht.


Grobe Worte, laute Worte mochte Max nicht. Er wurde dann aggressiv und aufsässig. Und was er nicht mochte, das mochte er eben nicht. Bei einem Training auf dem Hundeplatz, unserem letzten, verweigerte Max nach kurzer Zeit alles, was er tun sollte. Er hatte einfach keine Lust mehr, es stank ihm, immer im Kreis zu gehen und außerdem hat es geregnet. Der Trainer schimpfte und meinte, dass er mit der Leine einen Klaps bekommen und ausgeschimpft werden müsste. Max stolzierte mit steifen Beinen im Kreis herum, aber verweigerte weiterhin jeden Befehl. Da kam der Trainer an und wollte es mal zeigen, wie man einen Hund dressiert. Er meinte, dass wir zu lasch mit ihm umgehen. Na ja, das hat er dann bereut. Denn auch von ihm ließ sich Max nichts sagen oder gar mit der Leine schlagen, das war zu viel. Er hat ihn sofort kräftig in die Hand gebissen.

So haben wir davon Abschied genommen, denn Max war nicht erziehbar mit diesen Methoden. Er hörte auf leise, liebevolle Worte viel lieber als auf Schimpfen.


Als man uns sagte, dass ein Hund ruhiger wird, wenn er kastriert ist, haben wir auch das versucht. Er hat alles über sich ergehen lassen, auch die Strampelhose, die ich ihm genäht hatte. Aber sein Selbstbewusstsein hat darunter nicht gelitten.

Noch eine Möglichkeit zur Zähmung unseres "Raubtieres" haben wir in Anspruch genommen, nämlich eine Tierpsychologin. Sie hat sich Max angesehen, hat uns viele Ratschläge gegeben, auch schriftlich, und uns gleich gesagt, dass Max so dominant ist, dass er nicht müde werden wird, sich immer wieder Neues auszudenken, um seinen Rang als Alphatier zu erhalten, bzw. zu erkämpfen.

Da wir schon einige Hundeerfahrungen hatten, haben wir aber beschlossen, den Kampf mit der Aggressivität von Max gegen Menschen, selbst in die Hand zu nehmen und es auf unsere Art zu versuchen.


Max hat uns im Laufe der Zeit gezeigt, dass er ein guter Hund ist, abgesehen von diesem einen Fehler. Er ist pflegeleicht, lässt sich nach der Eingewöhnungsphase viel gefallen in Bezug auf Fell- und Fußpflege. Er lässt sich führen und wenn Befehle nicht schimpfend auf ihn zukommen, dann befolgt er sie auch. Aber das meistens sehr widerstrebend und langsam, was einen zum Lachen bringt. Seine Mimik zeigt, dass das eigentlich unter seiner Würde ist.

Wir haben aber daran weiter mit viel Liebe und Geduld gearbeitet und einen hervorragend gehorchenden Hund als Belohnung bekommen.

Diese Einschränkung galt aber bis an sein Lebensende: Er tat alles für uns, aber nichts für fremde Leute. Die hat er nicht akzeptiert und uns damit sein Leben lang gezeigt, dass er nur uns Zwei sein Vertrauen schenkt.


Sein erster Urlaub an der Ostsee, das war für uns ein tolles Erlebnis. Max rannte über den weichen, weißen Sand schnurstracks in die Wellen rein und wieder raus und lachte übers ganze Gesicht. Davon bekam er nicht genug.

Später verfolgte er die kleinen Vögel vom Strand ins Wasser, aber er passte auf, dass er nie so tief ins Wasser lief, dass er hätte schwimmen müssen.

Am liebsten war es ihm, wenn wir am Strand Muscheln oder Steine sammelten. Dann konnte er den Strand in seiner ganzen Breite abschnüffeln. Es war wunderschön, anzusehen, wie wohl sich der Hund fühlte.

Jeder Urlaub mit Max war ein Erlebnis. Der Hund konnte sich so toll einfügen und sich auf alle Situationen einstellen, das war einmalig.


Vor allem am Anfang merkten wir ja, dass Max gar nichts kannte. Genau wie die See war ihm der Wald fremd. Da haben wir ihn allerdings nicht so laufen lassen, denn das war zu gefährlich. Er hatte eine lange Leine an und lauschte immer in den Wald. Da waren sicherlich Geräusche, die wir nicht wahrnahmen. Er ist nie den Weg einfach so entlang gelaufen, sondern stand fast immer quer und stierte in den Wald. Vielleicht war ihm der nicht so ganz geheuer.

Später hat sich das alles etwas verloren, denn er war ja sehr lernfähig.

Nur die Autofahrt, die war anfangs für ihn aufregend und anstrengend. Er sah zu viel und musste alles anbellen. Da haben wir eine Transportkiste gekauft für ihn. Er ist auch sofort hinein gesprungen und hat sich schnell daran gewöhnt, dass er nun einen kleineren Platz für sich hatte, aber sicher war. Niemand konnte ihm etwas tun. So ist er dann ruhiger geworden und es war ganz selbstverständlich, dass er in die Kiste hüpfte, wenn wir mit dem Auto fuhren.


Richtig krank war Max selten. Er hatte zwar ein kleines Problem mit einem Muskel am Hinterbein, aber das war nicht weiter schlimm.

Einmal, er war schon 11 Jahre alt, mussten ihm 2 Zähne gezogen werden, die wackelten.

Und dann hatte er eine Wucherung am Zahnfleisch, welche wegoperiert werden musste.

Anfang 2006 bemerkten wir bei Max so etwas wie Alterserscheinungen. Er wurde langsamer, wollte nicht mehr so große Strecken laufen, manchmal kehrte er schon nach etwa 500 m einfach um und wollte nach Hause.

Wir haben ihn beobachtet draußen und zu Hause. Er fing damit an, dass er aus dem Schlaf oder Dösen heraus ganz verzweifelt aufsprang und einige Meter lief. Dann kehrte er um und setzte sich hechelnd wieder hin.

Er hechelte sehr viel, zu viel.

Ein Besuch in der Tierklinik war fällig. Dort sagte man uns, dass die Lunge sehr verschleimt wäre, er dadurch schlecht Luft bekäme und als Zusatz dazu die rechte Herzkammer vergrößert ist.

Nun musste Max Tabletten schlucken, was ein ganz schwieriges Unterfangen war. Er merkte jede Veränderung beim Futter, auch bei Leckerchen.

Die Medizin wirkte nur bedingt.


Wir haben Max sehr geschont und ihm nichts Unmögliches mehr zugetraut. Manchmal saß er ganz arm da und hechelte nur.

Dann fraß er immer schlechter. Man musste sich zu ihm setzen und ihm aus der Hand das Futter reichen, sonst hätte er nichts gefressen. Aber seinen normalen Napf machte er nicht leer.

Im Juni 2007 sind wir wieder in die Klinik gefahren, da hat Max schon 3 Tage nichts mehr fressen wollen.

Eine Ultraschalluntersuchung brachte die wahrscheinliche Ursache des schlechten Zustandes von Max zu Tage. Er hatte 2 große Tumore im Bauchraum, einen an der Leber und einen an der Milz, inoperabel.

Das war für uns die Entscheidung, dass Max nicht länger leiden soll.

Am 11. Juni 2007 ist unser Max über den Regenbogen gegangen.



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