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De-Kyi-Lhamo vom Potala

1 Hundebande | 2 Pelta und Jerry | 3 Dekiy und Snool | 4 Max

Nomen est Omen. Sie ist eine Lhasa-Apso-Hündin, eine Heilige vom Dach der Welt. Das hört sich sehr hochtrabend an und dieses Hündchen benahm sich auch so. Wir haben sie aus Gießen geholt von einer Züchterin, die sehr alt war und konsequent die alte Linie der Lhasa-Apsos züchtete. Sie mochte die andere Art der Züchtung nicht, wo die kleinen Löwenhunde zu mächtig und mit sehr langem, dichtem Haarkleid Standard waren.

Dekyi war jedoch nicht recht gelungen. Sie hatte eine rote Nase und fiel somit durch die Maschen Sie musste an einen Liebhaber verkauft werden, der nicht ausstellen wollte und auch nicht züchten. Das war uns gerade recht, denn wir hielten nicht viel von diesen Ausstellungen.

Also holten wir das kleine Wollknäuel aus Gießen ab und damit sie die lange Fahrt gut überstehen sollte, bekam sie von der Züchterin noch eine Tablette ins Maul gesteckt, die ihr helfen sollte. Es gab keine Probleme mit dem Hund. Wir dachten, dass die Tablette ihren Dienst getan hatte. Aber das war das erste Täuschungsmanöver von Dekyi. Als wir zu Hause ankamen, spuckte sie die Tablette fast genauso wieder aus, wie sie ihr verabreicht worden war. Wo sie die die ganze Zeit versteckt gehalten hat, das weiß der Teufel.

Wir bekamen von der alten Dame drei DIN-A4 Seiten gute Ratschläge mit, wie man einen Lhasa-Apso erzieht, pflegt und füttert. Außerdem noch einen Bericht über Wesen und Charakter dieser Hunde. Es mussten ganz besondere Hunde sein, so war unser Eindruck. Der Futterplan für unsere Dekyi, sie war 7 Wochen als wir sie bekamen, sah so aus:

Morgens: Fleisch (Herz, Leber, Nieren, Hammelmagen, Hühner- und Putenmagen und Herzen) dazu Kalk nicht vergessen, Petersilie oder Brennesseln - gelegentlich.

Mittags: Ei (Rührei, gekochtes Ei oder rohes Eigelb) dazu Flocken oder Speisequark oder eingeweichte Friskis o.ä.

Nachmittags: Dokos oder Roggenvollkornbrot mit etwas Butter oder Katzenfriskis trocken

Abends: Fleisch wie am Morgen und Nagut Vipromix

Als Getränk leichten Tee

Wir haben uns alle sehr viel Mühe gegeben, dass dieses Hündchen schnell vertraut wurde mit uns und der neuen Umgebung. Es ging ganz flott, dann hatte sie uns alle in der Hand. Sie spielte den King und wir freuten uns über das übermütige, lebenslustige Tierchen. Es spielte den ganzen Tag und es animierte uns, mit ihm zu spielen. Es brauchte Herausforderungen. Wir knüpften ein blau-weißes Tuch an eine lange Schnur, das war die Bayernfahne, die ihr Lieblingsspielzeug wurde und sie wurde niemals müde ihr hinterher zu laufen. um sie zu schnappen. Diese Reißleine ist so lange strapaziert worden, bis sie ganz zerfetzt war, aber dann trotzdem noch herumgeschleppt wurde. Später suchte sie sich ihr Lieblingsspielzeug selber aus. Unser Sohn Jochen hatte eine Handpuppe aus der Sesamstraße, das Krümelmonster, in seinem Zimmer. Es hatte eine leuchtend blaue Farbe und stach der Dekyi scheinbar in die Augen. Sie stand immer bettelnd davor, damit Jochen das Krümelmonster in die Hand nahm und ihr damit über den Kopf fuhr. Das gefiel ihr. Sie wurde immer dreister und versuchte dann auch schon mal, sich das Krümel selbst zu holen. Aber sie wurde immer dabei erwischt. Jochen wollte ihr die Handpuppe nicht überlassen.

Aber Dekyi hatte die längere Geduld. Sie wurde so lästig im Drängeln und Betteln, dass Jochen immer länger mit ihr und dem Krümel spielte. Er zog die Puppe über die Hand und neckte Dekyi damit. Davon bekam sie nie genug. Das Spiel musste viele Male am Tag gespielt werden. Ein anderes Spielzeug nahm Dekyi nicht mehr an. Es kam wie es kommen musste, eines Tages überließ Jochen ihr das Krümelmonster. Das war ihr Tag. Sofort wurden die Kugelaugen untersucht und es dauerte nicht lange, da fehlte das eine Auge und auch das andere übelebte die Untersuchungen nicht. Aber das war Dekyi egal. Jetzt wra es ihr Monster und sie schleppte es überall mit hin. Ging sie nach oben oder nach draußen, egal, das Krümelmonster musste mit. Wenn sie es mal vergessen hatte, lief sie ganz flink zurück, es zu holen. Wo Dekyi war, da war auch das blaue Krümelmonster.

Unsere Treppe nach oben führt an einer Fensterscheibe vorbei. Dort auf einer Stufe lag Dekyi tagsüber mit ihrem Monster und beobachtete die Straße. Dort war es sehr interessant für sie. "Vorne raus" war ein Zauberwort. Da flitzte sie, denn da gab es was zu sehen, da konnte sie an der Hecke entlang schnuppern, denn es waren sicher Hunde da gewesen. Sie war sehr neugierig.

Draußen konnte sie auf einem Steinhaufen sitzen und über einen kleinen Zaun auch die Straße vorne beobachten. Aber eines Tages wurde dort ein hoher Holzzaun gebaut und das Beobachten war aus. Das konnten wir dem Hündchen doch nicht antun, dass es nichts mehr sehen konnte. Also wurde eine Treppe gebaut mit einer "Aussichtsplattform". Ich glaubte nicht, dass sie dort hinauf gehen würde. Schließlich war der Zaun 1,80m hoch. Aber sie sollte die Möglichkeit bekommen, weiterhin zu sehen, was sie sehen wollte. Wir staunten nicht schlecht, als das Hündchen die Treppe hoch hüpfte als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Auch da hinauf nahm sie das Krümelmonster mit. Es war von der Straße aus lustig anzusehen, wie das Köpfchen über den hohen Zaun schaute.

Dekyis ärgster Feind war der Staubsauger. Sobald die Tür, hinter der der Staubsauger hing, aufgemacht wurde, stutzte sie und legte das Köpfchen schief. Sah sie den Apparat, dann fing sie unverzüglich an zu bellen. Sie legte den Rückwärtsgang ein und bellte ständig, damit sich der Staubsauger vertreiben ließe. Zu ihrem Leidwesen hatte sie keinen Erfolg damit, aber sie gab auch nicht auf. Sie lief nervös herum, hinter die Couch, unter den Sessel oder den Tisch, immer den Feind im Auge und dauernd bellend oder zumindest knurrend. Diesen Eindringling hat sie nie akzeptiert.

Als Dekyi etwas mehr als 1 Jahr alt war, haben wir beschlossen, dass sie Gesellschaft bekommen sollte, damit sie nicht so allein wäre, wenn wir alle außer Haus waren. Ihr Spielkamerad hieß Promising Pho Rhem van de Warwinkel, aber er wurde

Snool

genannt. Auch er war ein Lhasa-Apso, aber aus einer ganz anderen Linie. Er war viel kräftiger, mit langem Haar und schon 3 Jahre alt. Er war bei einem Züchter, der ihn nicht mehr gebrauchen konnte. Dort saß er nur rum, wurde dick und faul. Wir mussten ihn trainieren, damit er mit dem Dekyi mithalten konnte beim Laufen. Dekyi liebte den Snool vom ersten Tag an. Sie neckte ihn dauernd, was den faulen Snool etwas nervte, aber er ließ sich doch immer wieder auf das Spiel ein. Mit der Zeit speckte er ab und die beiden konnten gut miteinander spielen. Aber so übermütig wie Dekyi ist Snool nie geworden. Er war etwas tölpelhaft und trottelig und dadurch sehr lustig.

Snool war es nicht gewohnt, ein Spielzeug zu haben, aber er guckte sich das bei Dekyi ab, und er bekam sein "Vögelchen", was er dann auch eifersüchtig bewachte. Niemand durfte ab sofort sein Vögelchen haben. Wenn es sein musste, dann behielt er es stundenlang im Maul.

Winter und Schnee, das war ein Paradies für die beiden Lhasa-Apsos. Sie tobten durch den Schnee, bissen hinein und warfen den Schnee in die Höhe. Sie gruben Löcher und waren kaum wieder ins Haus zu bekommen. Dekyi wagte sich sogar aufs Eis, wenn Schlittschuhfahren angesagt war. Sie bemerkte wohl, dass es glatt war, aber sie schlitterte hinter uns her, als wäre es das Normalste der Welt. Snool hielt sich da raus, er fürchtete das Risiko.

Der Winter war auch Zeit der Nüsse und damit eine Freude für Dekyi. Sie mochte am liebsten Haselnüsse und wir knackten auch immer welche für sie. Der Nussteller stand immer auf dem Tisch und wir haben nicht mit der Gier des Hündchens gerechnet. Aber wir haben sie erwischt wie sie sich lang machte und aus dem günstig zu erreichenden Teller eine Nuss stibitzte. Die nahm sie mit und legte sich gemütlich auf den Teppich, um sie zu knacken und zu fressen. Danach wollte sie die nächste Nuss holen. Snool saß dabei, guckte nur und wartete wahrscheinlich, dass auch etwas für ihn abfiele.

Einmal habe ich eine Buskuitrolle gebacken, sie in ein Tuch gewickelt und zum Abkühlen draußen auf den Tisch gelegt. Nach einer Weile wurde mir bewusst, dass ich die Hunde in den Garten gelassen hatte und sie meldeten sich gar nicht zurück. Als ich dann nachschaute, traf mich fast der Schlag. Dekyi hatte das Tuch mit dem Kuchen vom Tisch geholt und war dabei, ihn genüsslich zu vernaschen.

Weihnachten gab es natürlich auch für die beiden Hunde etwas unterm Weihnachtsbaum, für jeden ein schön verpacktes Würstchen. Das hatte Dekyi sofort raus, als wir ins Weihnachtszimmer gingen. Sie schnupperte die Geschenke durch und hatte eine Wurst sofort zu fassen. Es stand zwar drauf, dass diese Wurst für Snool war, aber das störte sie nicht. Sie packte aus und Nullkommanix war die Wurst im Bäuchlein verschwunden. Wir mussten aufpassen, dass Snool seine Wurst bekam und sie nicht weggefressen wurde von dem kleinen Räuber.

Die Einkaufstasche strahlte auch eine große Anziehungskraft aus. Wenn ich die volle Tasche in der Küche abstellte, fiel das Dekyi sofort darüber her und Snool beobachtete sie dabei. Er machte wohl einen langen Hals, aber er beteiligte sich nicht an der Untersuchung der Einkäufe. Dekyi holte alles aus der Tasche raus und kroch fast ganz hinein, um auch ja nichts zu verpassen. Es könnte ja was Leckeres für sie drin sein. - War meistens auch!

Im Garten ist ein Teich. Da trank Dekyi gerne Wasser, es war ihr nicht abzugewöhnen. In einem Sommer haben wir einen Teil des Teiches abgetrennt für die Schildkröten. Diesen Teil haben wir extra eingezäunt, damit die Hunde nicht an die Schildkröten ran kamen und die Schildkröten nicht fort laufen konnten. Aber ausgerechnet an diesem Teil musste Dekyi Wasser trinken. Dazu sprang sie extra über den Zaun, obwohl gleich daneben kein Zaun im Weg gewesen wäre.

Dieser Teich wurde dem Snool einmal zum Verhängnis. Er war schon etwas älter und konnte nicht mehr so gut sehen. Ich hatte ihn abends rausgelassen und wartete, dass er sich zurück meldete. Aber er kam nicht. Also musste ich die Taschenlampe nehmen und schauen, was los war. Ich fand den armen Kerl im Gartenteich wieder. Sein langes Haarkleid schwamm um ihn herum, es sah witzig aus. Aber es war recht mühsam den Hund da wieder rauszuholen. Er half überhaupt nicht mit. Wahrscheinlich hatte er einen richtigen Schock. Er wurde abgeduscht und in ein Handtuch gewickelt auf die Couch gesetzt. Da beruhigte er sich wieder.

Im Garten war kein normales Arbeiten mehr möglich, seitdem Dekyi da war. Sie "half" immer mit. Ich buddelte die Pflanzenzwiebeln ein und sie holte mindestens die Hälfte wieder raus. Ich musste immer eine Zeit abpassen, wo sie anderweitig beschäftigt war. Aber irgendwie hat sie bemerkt, dass da was vergraben war und am nächsten Tag konnte ich die Zwiebeln wieder einsammeln. Oder sie vergnügte sich mit der Holzwolle, die ich um die Erdbeeren gelegt hatte. Das war ein schönes Spielzeug, sie hat sie auseinander gezogen und sich darin gewälzt. So hat sie oft die Holzwolle mit ins Haus gebracht, weil sie an ihren langen Haaren hängen geblieben war.

Sommer und Urlaub mit den beiden Lhasas war immer ein Erlebnis. Ob in Dänemark, wo wir kilometerweit am Strand entlang liefen oder im Bayerischen Wald, wo die Wälder durchforscht wurden, immer waren die Hunde dabei. Dekyi lief immer ausgelassen voraus und wieder zurück und machte viele Umwege und Snool trottelte neben uns her und war froh, dass er nicht noch mehr Meter machen musste. Wenn er versuchte, hinter Dekyi her zu laufen, dann passierte meistens ein Unglück. Einmal fiel er in ein Loch, was neben dem Weg war und verstauchte sich ein Bein. Ein andermal bleib er in Dornensträuchern hängen und kam nicht wieder heraus. Snool war ein Unglücksrabe, er versammlelte alles auf sich und trug es mit Fassung.

Als Snool immer unbeweglicher wurde, altersmäßig bedingt, da haben wir uns einen Korb gekauft in den er rein passte. Wenn wir nun unsere Spaziergänge machten und Snool konnte nicht mehr, dann setzte er sich auf den Hintern und machte keinen Schritt mehr. Dann kam er in den Korb und wir trugen ihn gemeinsam bis nach Hause oder zum Auto. So konnten wir weiter unsere Spaziergänge machen und er konnte dabei sein. Da sass er dann in seinem Korb und schaute aus wie der König persönlich, der in seiner Sänfte getragen wurde. Ich glaube, er fand das sehr gut und für ihn angemessen.

Wir haten viel Freude an den kleinen Hunden. Später kamen dann die Altersbeschwerden und Krankheiten und wir mussten immer für sie da sein. Snool ist ganz blind geworden und wenn er nicht mehr wusste wo er war, dann hat er sich hingesetzt und geduldig gewartet, bis ihn jemand abholte. Er bekam einen bösartigen Tumor, der sein Leben beendete.

Dekyi Lhamo lebte noch 2 Jahre länger und war bis zuletzt ein lebhaftes Hündchen. Sie hat sich nicht anmerken lassen, dass sie Snool vermisste. Aber wir wollten ihr eine Freude machen und haben nach einem neuen Gefährten Ausschau gehalten und ihn im Tierheim gefunden. Es war Jerry, der die große Liebe von unserer alten Dekyi wurde. Sie ist noch einmal richtig aufgeblüht und wollte alles nachmachen, was Jerry machte. Sie wollte sogar genauso Pipi machen wie Jerry es tat. Diese letzten 2 Jahre haben ihr noch viel Freude bereitet.


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